Mittwoch, 29. Juni 2016

Hallo und herzlich willkommen auf „Lebensritter“!


Ich sage das nicht nur zu Dir, sondern auch zu mir, denn ich bin genauso neu hier wie Du. Und auch mein Blog erblickt in genau diesen Momenten erstmals das Licht der digitalen Welt und wird (mir/uns) mit jedem ab jetzt folgenden Wort hoffentlich ein Stück weit mehr die Augen öffnen.

Warum schreibe ich hier und worum geht’s überhaupt?

Tja, ich stecke gerade in einer sogenannten „Lebenskrise“, so könnte man es zumindest in einem Satz zusammenfassen. Nicht die Erste in meinem 37jährigen Leben und vermutlich auch nicht die Letzte.

Was hat das Leben nicht alles schon aus dem Hut gezaubert, um mich zu testen: Essstörungen, Depressionen, eine verkorkste Beziehung nach der anderen – und nun eben eine Angst- und Panikstörung. Öfter mal was Neues.

Nach dem ersten Schock und der Erkenntnis, nach wochenlanger Arzt- und Therapeuten-Odyssee von Pontius zu Pilatus (und Wartelisten von mehr als einem halben Jahr!) bin ich nun endlich bei einer tollen Therapeutin gelandet und wieder da, wo immer alles anfängt: bei der Suche nach mir selbst.

Und wie ich aus Gesprächen mit Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, dem Postboten und zahlreichen Blogs und Internetseiten entnehme, geht es derzeit nicht nur mir so. Liegt es wirklich an unserer immer schnelllebigeren Zeit und dem damit verbundenen immer größer werdenden Stress? Oder doch nur am Wetter? Oder überwinden wir tatsächlich gerade dieses Stigma und es darf über psychische Erkrankungen genauso offen geredet werden wie über Kopfschmerzen und ein gebrochenes Bein? Das man einem Menschen seine 'Krankheit' nicht auf den ersten Blick ansieht heißt nicht automatisch, dass bei ihm alles Friede-Freude-Eierkuchen ist. Der Kampf findet anderweitig statt – im Inneren, jeden Tag aufs Neue.

In schwachen Momenten kommt mir dieser „Kampf“ manchmal hoffnungs-, aussichts- und sinnlos vor, ein Kampf gegen Windmühlen. Wobei wir bei dem Bild wären, das Ausschlag für meinen Blognamen gab:

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Der Ritter von der traurigen Gestalt, Don Quichotte de la Mancha, wie er auf seinem Pferdchen Rosinante verzweifelt gegen die Windmühlen ankämpft. Genauso fühle ich mich manchmal im „Kampf“ gegen meine Probleme, den Alltag, das Leben, mich selbst, …

'Gegen Windmühlen kämpfen' bedeutet laut Wikipedia:

  1. einen aussichtslosen Kampf gegen eine (nur eingebildete) Gefahr/Gegnerschaft führen;
  2. vergeblich gegen Zustände ankämpfen, die sich nicht ändern lassen.

Beide Definitionen bringen mich zum Nachdenken: Bilde ich mir die „Gefahr“ (und bei einer Panikstörung hat das Gehirn die wahre Bedeutung von Gefahr ja längst verlernt) etwa tatsächlich nur ein? Oder sollte ich einfach aufhören zu kämpfen und manche Dinge einfach akzeptieren, weil sie sich nicht ändern lassen?

Aber gleichzeitig werden einem Ritter auch Tugenden wie Mut, Tapferkeit, Ehre, Verlässlichkeit, Loyalität und weitere wohlklingende Eigenschaften zugeschrieben. Man hat einen stolzen Krieger in schimmernder Rüstung auf einem wilden Streitross vor Augen, der Eide geschworen hat, sein Vaterland mit seinem Leben zu verteidigen. Ich habe mir geschworen, nicht kampflos unterzugehen und der Angst mit Mut und all meiner zur Verfügung stehenden Kraft entgegenzutreten. Mein Lebensritter bin ich also selbst, meine Aufgabe ist es, mein Leben zu meistern, es (wieder) lebenswert zu machen.

Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass solche 'Lebenskrisen' irgendwo auch einen tieferen Sinn haben, uns etwas mitteilen wollen, auch wenn uns im ersten Moment nicht gleich klar ist, was. Sie weisen uns auf etwas hin, das gerade kolossal schief läuft in unserem Leben, und das wir ändern sollten. Das etwas so nicht weiter gehen kann. Mal macht unsere Psyche das mehr, mal weniger subtil (in meinem Fall gerade mit dem Vorschlaghammer).Oft bedient sich sich dabei des Körpers in Form von 'psychosomatischen' Beschwerden, was von Muskelverspannungen („Die Angst sitzt mir im Nacken“) über Verdauungsbeschwerden („Das schlägt mir auf den Magen“) bis hin zu Herzproblemen („Man nimmt sich etwas zu Herzen“) reichen kann. Die Liste ist schier endlos und ich bin ein 1a-Psychosomatik-Kandidat.

Als eher rational veranlagter Kopfmensch kann ich alles bis zum geht-nicht-mehr analysieren und zerdenken, tue mich mit dem Fühlen dafür oft recht schwer. Gefühle wahrzunehmen und anzuerkennen ist mir noch nie leicht gefallen; Verdrängen dagegen immer schon. Die Panik zwingt mich nun aber zum Fühlen, ob ich will oder nicht, und was man so alles bei einer Panikattacke fühlt, will man eigentlich danach niemals wieder erleben: Herzrasen, Schweißausbrüche, Benommenheit, Übelkeit, Hyperventilieren (um nur ein paar der harmloseren Sorte zu nennen).Verdrängen funktioniert nicht mehr, all meine jahrelang aufgebauten Muster stürzen in sich zusammen.

Was machte ich in meiner Verzweiflung also? Schaute mir an, in welchen Situationen die Panik aufgetreten war (gern an Orten mit vielen fremden Menschen, wo eine Flucht nicht ohne größeres Aufsehen möglich ist, z.B. im Kino, bei Elternabenden, im Vorstellungsgespräch, …), zog als logische Konsequenz daraus die Schlussfolgerung, dass das Eine wohl unweigerlich mit dem Anderen zusammenhängen muss und vermied fortan jegliche Orte (und Aktivitäten), die eine potentielle 'Gefahr' (=noch so 'ne Attacke) darstellen könnten. Meine 'schwarze Liste' wurde nur leider im Laufe der Zeit immer länger und somit mein Bewegungsradius immer kleiner und eingeschränkter...Et voilà: ehe ich mich versah hatte sich die Panikstörung ihren Kumpel Agoraphobie mit ins Boot geholt und ab da bohrten beide fleißig Löcher in die Planken meines mühsam zusammengeschusterten Alltagskonstrukts, während ich verzweifelt versuchte das sinkende Schiff auf Kurs zu halten, und irgendwann immer mehr ins Schwimmen geriet, aber – Mist – wo ist der Rettungsring?

Mein großer Rettungsring ist nun gerade die Therapie. Auf diesem Blog möchte ich mit Euch meinen Weg teilen und Euch meine persönlichen kleinen Rettungsringe (nicht die an meinem Bauch ;-) ) und Schwimmflügel vorstellen, wenn mir das Wasser mal wieder bis zum Hals steht (um mal bei diesem Bild zu bleiben). Ich habe schnell gemerkt: je akuter die Krise, desto wichtiger sind für mich schnelle, unkomplizierte und praktische Hilfsmittel. Darüber hinaus gibt es noch jede Menge weitere Dinge die ich ausprobiert habe und die Du tun kannst, damit es Dir allgemein besser geht und Du zumindest den Alltag wieder auf die Reihe kriegst. Ich sag nur – Stressreduktion; Stress ist bei mir der Auslösefaktor Nr. 1 für alle möglichen kleineren und größeren Katastrophen...

Das Wichtigste dabei: Geduld. Nachsicht. Sei nicht so hart mit Dir selbst... (anfangs hab ich das Lied „Hey“ von Andreas Bourani in Endlosschleife gehört, bis ich ihm irgendwann endlich glauben konnte...)

Deine Probleme sind nun mal nicht über Nacht entstanden und werden sich (leider) auch nicht über Nacht in Luft auflösen (wie gerne wünsche ich mir das manchmal... *hexhex*). Das Ganze ist ein Prozess, ein Weg, eine Reise, bestenfalls zu Dir selbst und einer besseren Version von Dir. Vielleicht magst Du mich auf meinem Weg begleiten, vielleicht können wir ihn gemeinsam gehen und uns gegenseitig unterstützen, helfen und weitertragen. Du bist nicht allein!

Ritterliche Grüße, Carina

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