Freitag, 1. Juli 2016

Achtsamkeit für zwischendurch


 
Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de
 
Hallo an alle Lebensritter da draußen, schön dass ihr wieder da seid! Ich hoffe, ihr freut euch genauso aufs Wochenende wie ich: endlich ausspannen, ausschlafen, ausruhen...

Aber wäre es nicht toll, ein Leben zu führen, von dem man sich nicht an den Wochenenden und im Urlaub erholen müsste? Nicht nur auf den Feierabend, das nächste Wochenende, den nächsten Urlaub hinzufiebern und dazwischen -tja, was? Funktionieren? Existieren?

Das ist irgendwann mein großes Ziel; bis dahin versuche ich, zumindest den täglichen Alltagsstress nicht zu sehr von mir Besitz ergreifen zu lassen. Klappt mal mehr, mal weniger gut...

Es gibt so Tage, da bringen mich schon Kleinigkeiten auf die Palme, manchmal sammeln sich im Lauf des Tages dann viele Mini-Katastrophen und verderben mir die Laune komplett. Dann möchte ich mir nur noch die Decke über den Kopf ziehen und denken 'lasst mich doch einfach alle in Ruhe!'...

Aus der Nähe betrachtet entpuppen sich die Kleinigkeiten dann oftmals als nicht der Rede wert, über die Mini-Katastrophen hätte ich eigentlich eher lachen als weinen sollen, und mich vor der Welt verkriechen müsste ich auch nicht wenn – wenn ich dem Ganzen nicht so eine Bedeutung und damit soviel Macht über mich geben würde.

Die meisten 'Probleme' sind nämlich per se erstmal keine. Sie sind ein Umstand. Eine Tatsache, eine Situation. Die ist jetzt grad so wie sie ist, vielleicht nicht erfreulich, vielleicht nicht unsere Traumvorstellung, aber so isses nun mal. Nicht mehr und nicht weniger. Zum 'Problem' wird sie erst durch uns gemacht. Was wir in sie hinein interpretieren. Unsere (negative) Einstellung. Unsere Gedanken, Erfahrungen, Ängste und Sorgen.

Ich bin da keine Ausnahme. Oft gefangen in alten (negativen) Gedankenmustern, kontrolliert von Ängsten und Sorgen, kreiere ich mir meine Katastrophen in meinem Kopf meist selbst. Wie befreiend wäre es, dieses Muster endlich hinter sich zu lassen?

Und genau daran arbeite ich gerade. Eine Sache, über die ich in diesem Zusammenhang oft 'gestolpert' bin, ist, Achtsamkeit. Mit diesem Begriff konnte ich erstmal nicht viel anfangen, hatte Bilder von Räucherstäbchen, Esoterikbüchern und meditierenden Mönchen vor Augen. Aber sobald ich begonnen habe, mich darauf einzulassen und einige Übungen auszuprobieren, habe ich ganz schnell gemerkt wie gut sie mir tun und das etwas mehr Achtsamkeit genau das war, was mir gefehlt hat.

Achtsamkeit heißt für mich, 'im Moment sein', und hat viel mit Bewusstsein zu tun: Mit allen Sinnen im gegenwärtigen Augenblick, im Hier und Jetzt sein. Sich seiner Gedanken bewusst werden und sie zurückführen in die Gegenwart. Gedanklich nicht noch bei der blöden Bemerkung des Chefs von gestern sein, nicht bei möglichen Abendessen-Alternativen für morgen, nicht beim Wetterbericht für's Wochenende oder der fälligen Autoinspektion nächsten Monat. Sich auf eine einzige Sache zu konzentrieren und diese bewusst und ohne Ablenkung zu tun, anstatt sich mit verzweifelten Multitasking-Versuchen (auf das wir Frauen ja so stolz sind) nur noch mehr zu stressen. Wie oft habe ich gleichzeitig telefoniert, das Abendessen gekocht, WhatsApp-Nachrichten beantwortet und nebenbei noch meiner Tochter bei den Hausaufgaben geholfen, während das Radio dudelte?

Etwas achtsam zu tun heißt, sich mit allen Sinnen und seiner vollen Konzentration auf nur eine Sache zu fokussieren. Angefangen das zu üben habe ich mit dem Atmen, ähnlich wie beim Meditieren. Meine volle Aufmerksamkeit auf meinen Atem gelenkt: wie fühlt er sich an, fließt er oder atme ich stockend, flach oder tief? Was passiert wenn ich bewusster atme, in den Bauch, langsamer, in einem gleichbleibenden Rhythmus? - Entspannung stellt sich ein, ich nehme mich wieder wahr, meine nervös rasenden Gedanken finden plötzlich einen Anker und kommen zurück in die Gegenwart, mein wild klopfendes Herz beruhigt sich wieder, die Anspannung fällt von mir ab. Ich bin wieder 'präsent'.

Zugegeben, mitten im größten Stress, wenn einem grade alles um die Ohren fliegt, innezuhalten und tief durchzuatmen kostet einiges an Übung - aber genau dann braucht man diese innere Distanz am nötigsten. Man lernt, innerlich einen Schritt zurückzutreten und sich nicht von dem Chaos um einen herum oder den negativen Gedanken einsaugen zu lassen. Man kann sich wieder neu fokussieren, Wichtiges von Unwichtigem besser unterscheiden, Prioritäten setzten und dann eins nach dem anderen erledigen, anstatt alles auf einmal. 


Den ganzen Tag nur achtsam zu sein schafft vermutlich niemand, aber man kann sich immer mal wieder ein paar Minuten 'Achtsamkeit zwischendurch' gönnen. Das ist dann jedesmal wie eine kleine Mini-Meditation. Es muss auch nicht zwingend der Atemfokus sein. Achtsam tun kann man viele Dinge. Hier kommen ein paar Vorschläge zum Einstieg:


Gehen

Foto: Martin Berg / pixelio.de

Wir tun es jeden Tag, und doch achten wir kaum darauf. Vielleicht in der nächsten Mittagspause mal wieder eine Runde um den Block laufen, und dabei bewusst einen Fuß vor den anderen setzen, den Boden unter den Füßen spüren, sich auf das Gefühl des Gehens konzentrieren, auf das Geräusch der Schuhe auf dem Untergrund (Asphalt klingt anders als ein Schotterweg), vielleicht die Schritte mitzählen... Fortgeschrittene gehen barfuß (reicht schon in der Wohnung, die unterschiedlichen Materialien des Fußbodens wahrnehmen: Parkett fühlt sich anders an als Laminat, als Wollteppich, als Sisalmatten, als Fliesen, …)



Musik hören

Foto: Doatsch / pixelio.de

Bei mir dudelt oft irgendwo 'Hintergrundmusik', aber nehme ich die dann auch bewusst wahr? Einfach mal nicht nur nebenbei beim Kochen oder unterwegs im Auto, sondern mal wieder ganz bewusst dem Lieblingslied von der ersten bis zur letzten Note 'zuhören'. Gern mit geschlossenen Augen oder über Kopfhörer. Die Melodie auf sich wirken lassen, den Rhythmus spüren, den Gefühlen nachspüren, die die Musik auslöst, ... 


Duschen

Foto: Maren Beßler / pixelio.de

Ob Morgens nach dem Aufstehen oder Abends vor dem Schlafengehen: unter die Dusche huschen wir eher, oder brausen uns nur mal kurz ab. Bein nächsten notwendigen Körperreinigungsvorgang einfach mal die Augen schließen. Spüren, wie das warme Wasser über den Körper läuft. Wie fühlt sich das auf der Haut an? Den Duft des Duschgels tief einatmen, den Körper liebevoll einseifen, dem Plätschern des Wassers lauschen. Nicht nur körperlich erfrischt aus dem Bad kommen...



Essen

Foto: Margot Kessler / pixelio.de


Sein Essen zwischen zwei Terminen im Stehen runterzuschlingen ist mega-ungesund, wissen wir inzwischen alle. Aber wann hast Du das letzte Mal eine Mahlzeit bewusst genossen? Man kann das auch immer mal wieder zwischendurch machen (eine ganze Mahlzeit lang wird anfangs recht anstrengend): kleine Bissen des Essens im Mund zergehen lassen, langsam und genussvoll kauen und genau 'hinschmecken': wie ist die Konsistenz des Essens? Welche Gewürze schmecke ich heraus? Wie fühlt sich das Essen im Mund an, tut es mir gut?
 


Auto fahren 

Foto: Dagmar Zechel / pixelio.de
 
Meistens bewegen wir uns eher im Autopilot-Modus von A nach B auf den Straßen, das Kuppeln, Schalten, Gasgeben läuft so nebenbei ab, die Gedanken sind im (N)irgendwo, die Augen auf den Bremslichtern des Vorderwagens. Das nächste Mal, wenn ihr ins Auto steigt, einfach mal wieder nur auf das Fahren konzentrieren: jede (automatisierte) Bewegung der Füße und Hände wahrnehmen, das Gefühl, wenn das Lenkrad beim Abbiegen durch die Hände gleitet, das Geräusch des Blinkers, das Hin- und Herhuschen der Scheibenwischer, ... (diese Übung vielleicht nicht unbedingt bei 120 auf der Autobahn machen...)

 

Abwaschen

 
Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de


Ja, sogar lästige (aber notwendige) Pflichten wie Hausarbeit kann man für eine kleine Meditationseinheit nutzen (für mich z.B. das Wäsche aufhängen): die Hände in das warme Seifenwasser des Spülbeckens tauchen, mit der Spülbürste langsam und bewusst einen Teller nach dem anderen abwaschen, dem Knistern des Schaums zuhören, mit kaltem Wasser nachspülen, den Temperaturunterschied an den Händen fühlen, ... 




Ihr seht, es gibt viele Möglichkeiten, mehr Achtsamkeit in seinen Alltag zu integrieren. Je häufiger man solche kleinen 'Bewusstseins-Momente' zwischendurch einbaut, desto leichter fällt es einem mit der Zeit, sich in Chaos-Momenten, oder wenn die Gedanken mal wieder Karussell fahren, durch bewussten Fokus in den Augenblick zurückzuholen.

Könnt ihr mit Achtsamkeit was anfangen? Was bedeutet Achtsamkeit für Euch? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Ich freu mich über eure Meinung und über Kommentare!

Ritterliche Grüße, Carina
 


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