Sonntag, 3. Juli 2016

Wofür bist Du dankbar?


Hallo und einen schönen Sonntag allerseits!

Und, heute schon dankbar gewesen? Nein? Wofür auch: Draußen regnet's schon wieder (wann wird's mal wieder richtig Sommer??), das Kind langweilt sich in den Ferien vor sich hin (niemand hat Zeit...), Du musst dringend das Auto tanken (wo die Benzinpreise grad wieder hochgehen wegen der Ferienzeit), die Nachbarn machen schon wieder Party (Ruhezeiten, hallo!!), Deine Haare sowieso was sie wollen, und überhaupt, morgen ist schon wieder Montag, das allein reicht ja schon um Dir die Laune zu verderben. Und da hast Du noch nicht mal die Nachrichten gehört...

Ich bin auch ganz groß im 'Alles-scheiße'- und 'Haar-in-der-Suppe'-finden, und bastele mir daraus meine persönliche negative Gedankenspirale: Wäre mein Leben nicht viel besser und wäre ich nicht viel glücklicher und zufriedener mit einem anderen Job/Mann/Auto/Familienkonstellation, mehr Geld, weniger Gewicht, anderen Haaren, nem Häuschen im Grünen statt der hellhörigen Dachgeschosswohnung - oder am Besten gleich nach Italien ans Meer ziehen und nie wieder arbeiten?

Die Antwort ist so einfach und hat mich doch so viel Anstrengung gekostet: wäre es nicht.

Zum Einen kannst Du Deinen Problemen nämlich nicht davonlaufen, sie würden Dich auch noch bis in den entlegensten Winkel der italienischen Adriaküste verfolgen.

Und zum Anderen – hast Du nämlich schon alles, was Du zum Glücklichsein brauchst. Echt! Du musst Dir dessen nur mal wieder bewusst werden. Wie schnell nehmen wir alles für selbstverständlich und konzentrieren uns nur auf das, was uns fehlt oder was grad nicht so rund läuft. Schnell kommt man dann in den 'ich bin ja so arm dran'-Modus. Wo wir es doch eigentlich so gut haben... (Darauf, das wir in diesem Land in einer Kultur des Jammerns und Beklagens - auf verdammt hohem Niveau - leben, gehe ich an dieser Stelle mal nicht ein...)

Wann warst Du also das letzte Mal dankbar für das, was Du schon hast? Was jetzt, in diesem Moment, alles schon gut ist in Deinem Leben?

Dir fällt spontan nix ein wofür Du dankbar sein könntest? Dann stell Dir einfach mal vor wie Dein Leben wäre, wenn Du bestimmte Dinge, die Du jetzt für selbstverständlich nimmst, nicht mehr hättest. Bei mir wären das:

  • Meine Familie: Klar nervt das Töchterlein manchmal (Achtung: pubertierender Teenager!) und es gibt Tage, da gehe ich als Alleinerziehende mit zwei Jobs quasi auf dem Zahnfleisch; da fehlt dann nicht mehr viel und ich könnte sie auf den Mond schießen (ohne Rückfahrkarte!). Aber ein Leben ohne dieses süße Wesen wäre für mich schlicht nicht vorstellbar. Für nichts in der Welt würde ich sie hergeben. Dankbarer kann man sich kaum fühlen... <3

  • Meine Freunde: Ich habe nicht viele, aber dafür echte und gute Freunde, auf die ich mich immer verlassen kann wenn die Stricke mal wieder reißen. Ich bin froh und dankbar dass ich Euch habe! Qualität vor Quantität!
  • Meine Wohnung: Ich habe ein Dach über dem Kopf! (ein Leben unter der Brücke stelle ich mir nicht sehr erquicklich vor). Und fühle mich meist recht wohl in meiner Bude. Und entgegen der Mietpreisentwicklung derzeit ist meine Miete seit Jahren stabil geblieben – auch nicht selbstverständlich...  

  • Meine(n) Job(s): Auch wenn mein derzeitiger Job grad nicht mein Traum ist, aber ich habe immerhin Arbeit, verdiene Geld, kann Essen und Kleidung kaufen. Was wäre die Alternative? Arbeitslosigkeit? Hartz4? Alles schon gehabt, danke, möchte ich nicht mehr... (Aber selbst wenn – immerhin leben wir in einem Sozialstaat, der Dich auffängt wenn die Räder der Arbeitswelt Dich auf die Straße katapultiert haben – auch dafür kann man dankbar sein!)
     
  • Das Wetter (beliebter Aufreger derzeit): Ich finde es eigentlich grad ganz angenehm (der eingangs erwähnten Dachwohnung zuschulden...). Hätten wir gerade eine Hitzewelle würden auch wieder alle stöhnen (ich allen voran!), also kann Petrus es sowieso nie allen recht machen...

  • Mein Auto: Mein Auto ist ein Luxus für mich, und ich bin mega dankbar es mir grad so leisten zu können. Sonst müssten wir überallhin mit Bus oder Rad fahren (das Busnetz meiner Stadt ist ein Witz), und bei Wind und Wetter Rad fahren mag ich zugegebenermaßen auch nicht... Wie sehr ich dafür dankbar bin merke ich immer erst, wenn es mal wieder nicht anspringt oder andere (kostspielige) Macken hat...

  • Mein Leben: Ja, gehen wir noch einen Schritt weiter: ich bin dankbar, dass ich jeden Morgen aufwache, dass ich atme, dass ich gehen und mich bewegen kann, durch den Wald laufen kann, dass ich mich die meiste Zeit guter Gesundheit erfreue... All das nehmen wir für selbstverständlich, bis uns die nächste Erkältung oder Krankheit unsere Verwundbarkeit schmerzhaft vor Augen führt...

Die Liste ließe sich beliebig erweitern, und zeigt uns eins ganz deutlich: wie 'reich' wir im Grunde schon sind, was wir alles bereits besitzen, und auch, welchen Dingen (und Menschen) wir oft viel zu wenig Wertschätzung entgegenbringen.

Das soll jetzt nicht dazu dienen, sich alles schön zu reden (blöder Job, der mich unglücklich macht, aber ich hab immerhin einen) oder sich selbst zu belügen, sondern Dir die Augen öffnen für all die großen Dinge (siehe oben) und die vielen kleinen Momente, die oft so nebenher laufen, dass wir sie im Alltagswahnsinn oft gar nicht mehr wahrnehmen: Vogelgezwitscher am Morgen, das nette Lächeln der Verkäuferin beim Bäcker, der Autofahrer, der uns die Vorfahrt lässt, das Lieblingslied im Radio, der Kaffeeplausch mit der besten Freundin nach Feierabend, Kinderlachen, eine dampfende Tasse Tee, …

Aufgabe: Dir jeden Abend mindestens drei Dinge bewusst machen, die an diesem Tag gut waren und für die Du dankbar sein kannst. Und diese am Besten aufschreiben. Auf eine Liste, in ein kleines Büchlein, in die Handy-Notizen. Wie Du magst. Zugegeben, an manchen Tagen erfordert das etwas mehr Anstrengung als an anderen, aber es wird sich bei näherer Betrachtung immer etwas finden lassen, das in irgendeiner Form gut war.
Und an 'alles-Scheiße-Tagen' kannst Du dann Deine persönliche Dankbarkeits-Liste hervorholen und erleichtert feststellen: es gibt doch noch Gutes auf dieser Welt, es lohnt sich morgen wieder aufzustehen, es könnte schlimmer sein...

Mit der Zeit achtest Du dann automatisch mehr auf die guten Dinge, die Du dann Abends auf Deine Liste schreiben könntest, was gleichzeitig Deine Wahrnehmung und Deine Achtsamkeit schult. (Mehr dazu habe ich hier aufgeschrieben: Achtsamkeit für zwischendurch )

Und plötzlich wird Dir nicht mehr nur das bewusst, was Dir fehlt – sondern das, was Du alles besitzt. Hört sich irgendwie schon viel positiver an, oder?

Foto: M.E. / pixelio.de


 Ritterliche Grüße, Carina




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